Lesetagebuch: Sergej Lukianenko

Könnte sein, dass ich einen neuen Lieblingsautor habe …
Nach der Lektüre eines einzigen Buches ist das vielleicht eine etwas voreilige Behauptung – aber ich will sie mal so stehen lassen, bis ich mir selbst das Gegenteil bewiesen habe.

Sergej Lukianenko heißt der Knabe. Der russische Schriftsteller dürfte den Meisten als Autor der Wächter-Tetralogie bekannt sein. Diese war mir natürlich schon länger ein Begriff – irgendwie reizte es mich aber nie, den Vierteiler auch zu lesen. Vielleicht weil mir diese Urban-Fantasy-Chose gerade etwas über war – vielleicht weil ich die dazugehörigen Filme zwar nett aber nicht überragend fand … keine Ahnung.
Es war vor allem meine Gattin, die mich schließlich doch zum Griff ins Regal ermunterte. Lukianenko zählt schon länger zu ihren liebsten Autoren. Ein Buch nach dem anderen verschlang sie (bzw. tut es noch heute) und schwärmte mir stets davon vor.
Und wie üblich kann ich auf das Urteil meiner Frau vertrauen.
Meine erste Wahl war dennoch nicht der „Wächter der Nacht“ sondern der SF-Roman „Spektrum“. Zum einen, weil dieser abgeschlossen – also kein erster Band der üblichen Trilogie – ist (unter Zweiteilern macht’s der Lukianenko nämlich selten). Zum anderen dürste ich schon länger nach neuer Science-Fiction.

So also „Spektrum“. Der Plot ist schnell erzählt. Wir befinden uns in einer nahen aber nicht näher benannten Zukunft. Das Leben auf Erden unterscheidet sich kaum von dem uns bekannten – außer dass sich vor einigen Jahren Außerirdische auf unserem Planeten breitgemacht haben. Diese verhalten sich soweit friedlich und errichten etliche Transmitter-Stationen, über die Einzelpersonen andere Planeten besuchen können. Tatsächlich haben sie so ein ganzes Transportnetz in der Galaxis errichtet, das fürderhin die Menschen mit zahlreichen anderen Völkern verbindet. Der einzige Lohn, den die geheimnisvollen Fremden für diese Dienstleistung verlangen, ist eine spannende Geschichte, die der Reisende zu erzählen hat. Gefällt sie dem Torwächter, so wird er durchgelassen – wenn nicht, denn nicht.
Der Held ist ein russischer Privatermittler, der den Auftrag erhält, eine junge Frau zu suchen – und dabei selbstredend in große kosmische Geheimnisse verstrickt wird.
So weit so üblich – hat man oft in zahlreichen Varianten gelesen.

Dennoch ragt der Roman in meinen Augen aus dem Üblichen heraus. Ich mache das mal an vier Punkten fest:

1. Lukianenko ist definitiv Rollenspieler
Allein der Aufbau der Handlung folgt den Regeln eines klassischen RPG-Abenteuers. Der Held bekommt eine Aufgabe, wird dabei von einem Ort zum anderen gejagt, wo er immer nur häppchenweise weitere Informationen erhält – bzw. nur den Hinweis, wo er als nächstes hin muss. Und schließlich gibt’s den klassischen Show-Down zu dem sich erst alles auflöst.
Gut – so sind auch andere Geschichten aufgebaut, die definitiv nichts mit Rollenspiel zu tun haben. Lukianenko lässt aber mit dezent gestreuten witzigen Anspielungen keinen Zweifel aufkommen. Der Typ ist Rollenspieler!

2. Lukianenko hat unglaublich viel Ahnung von fantastischer Literatur
Er spielt ständig mit Zitaten und Anspielungen auf die komplette fantastische Pop-Kultur, dass es eine Freude ist – und zwar sowohl aus Ost und West. Natürlich hat er seinen Tolkien, Herbert und Asimov gelesen – und hält damit nicht hinterm Berg. Hinzu kommen aber auch Autoren und Helden der Sowjetischen Science-Fiction, die hierzulande natürlich niemand kennt. Ich bin ja schon heilfroh, den grandiosen Stanislav Lem (ich weiß: polnisch, nicht russisch – aber immerhin auch Ostblock) zu kennen – aber hier scheint es einen gewaltigen Fundus an Autoren zu geben, der erst entdeckt werden will.

3. Lukianenko ist Philosoph
Ja, zu dieser Aussage möchte ich mich hinreißen lassen. Sein Werk ist voller tiefgründiger Gedanken, die nichts geringeres als die grundlegenden Fragen nach dem Sinn des Lebens behandeln. Genau das ist meiner Meinung nach auch eine der Hauptaufgaben fantastischer Literatur – und der Science-Fiction im Besonderen.

4. Absolut russisch!
Mit das Faszinierendste für einen Leser, der tendentiell nur „westliche“ Kost gewohnt ist, ist die – in meinen Augen – russische Färbung, die dem Ganzen anhaftet. Die Protagonisten verhalten sich oft erfrischend anders, als man es gewohnt ist – und das erschöpft sich längst nicht darin, dass alle ständig am Rauchen und Saufen sind.

Mir hat der Roman auf jeden Fall so sehr gefallen, dass ich das dringende Bedürfnis habe, mehr von Lukianenko zu lesen – wenn nicht gar alles. Und spätestens dann wäre er endgültig in die Riege meiner Lieblingsautoren aufgestiegen.

3 Gedanken zu „Lesetagebuch: Sergej Lukianenko“

  1. Wächter des Chaos? Guter Tipp! Passt, dass meine Frau bald Geburtstag hat … :)br /br /Ich habe mittlerweile quot;Der Herr der Finsternisquot; gelesen, was mir auch sehr gut gefallen hat.

  2. Die dazugehörigen Filme konnte man wirklich in die Tonne kloppen, vor allem weil der Plot der Filme ein völlig anderer ist – nur die Welt ist quot;gleichquot;. br /br /Deine Gattin scheint einen wunderbaren Lesegeschmack zu haben – Lukianenko zählt auch zu meinen Lieblingsautoren. Bisher habe ich nur die Wächter-Tetralogie gelesen (da gibt es mittlerweile einen weiteren Teil, nicht von Lukianenko, sondern von Wladimir Wassiljew namens quot;Wächter des Chaosquot;, den ich bisher aber noch nicht gelesen habe), dazu Spektrum, das du ja auch gelesen hast, das Schlangenschwert und Weltengänger. br /br /Ich müsste das Schlangenschwert und Weltengänger nochmal lesen – ich habe gerade versucht mich zu erinnern, ob die Bücher gut waren, aber … bin kläglich gescheitert 😐 Was nicht unbedingt für die Bücher spricht, leider.

  3. Immer diese Ausgespielt-Spoiler … 😉 br /br /Ich glaub’, ich werde mir mal das Buch auf eine Liste setzen, danke für den Tipp (auch hier).

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