GooglePlus – Soziale Kreise statt Netzwerke

An Facebook hat mich immer so Einiges gestört: Die offenen Defaulteinstellungen, das unkommentierte Ändern der AGBs, der Umgang mit Urheberrechten der User, das Verstecken von unvorteilhaften Einstellungen, …

Die Liste ließe sich endlos fortführen.

Zu diesen eher praktischen Kritikpunkten gesellt sich noch eine theoretische Überlegung.

Und zwar war ich als alter Soziologe immer der Meinung, dass die Netzwerk-Theorie, die ja letztlich Facebook zugrundeliegt, die Gesellschaft nur unzureichend abbildet. Klar sind die Menschen auch im „echten Leben“ miteinander vernetzt – was Online-Netzwerke wie Facebook aber völlig außen vor lassen sind rollentheoretische Erwägungen.

Georg Simmel hat’s schon immer gewusst

Georg Simmel
Georg Simmel (gemeinfreies Foto aus der Wikipedia)

Man tritt in einigen Kreisen völlig anders auf als in anderen – und erzählt dort auch völlig unterschiedliche Dinge (Arbeit, Familie, Fußballfreunde).

Und damit ist das Stichwort auch schon gefallen. Der Soziologe Georg Simmel (1858 bis 1918) hat den Begriff der „sozialen Kreise“ entwickelt, mit dem er genau dies beschreibt: Wir alle bewegen uns in solchen Kreisen, die sich mehr oder weniger überlappen mögen – und in jedem verhalten wir uns anders.

Das kommt der sozialen „Wahrheit“ meiner Meinung nach etwas näher.

Ich habe mir daher schon länger ein Online-Netzwerk gewünscht, das diesen gesellschaftlichen Aspekt abzubilden vermag.

Zurück aus der Diaspora

Und schon wieder ist ein Stichwort gefallen – denn mit so genannten „Aspekten“ wollte schon der soziale Dienst Diaspora genau das erreichen.

Es ist jetzt etwas gemein, hier schon die Vergangenheitsform zu wählen, denn Diaspora existiert natürlich noch. Für mich persönlich trifft diese grammatikalische Verortung aber leider schon zu.

„Leider“ deswegen, weil ich von diesem „Anti-Facebook“ zunächst sehr begeistert war. Gerade die Idee der Aspekte hat mir gut gefallen. Allein, da war nix los.

Eine Zwei-Wege-Verbindung zu Twitter hätte mich vielleicht bei der Stange gehalten, aber nun ist das eh müßig.

Denn jetzt gibt es Google+ …

Kreise, bessere Datenschutz-Einstellungen, schicke Android-App … was will man mehr?

Im Ernst: Das gerechtfertigte Loblied auf dieses neue social network können andere viel besser als ich singen – z.B. Marcel Wichmann.

Was ich noch hinzufügen möchte ist die Hoffnung und Erwartung, dass Google+ sich durch intelligente Verknüpfung mit anderen Netzwerken auch als eine Art meta-social-network nutzen lässt – das Teilen per Mail mit Leuten außerhalb des Netzwerks ist ja schon jetzt möglich.

Dadurch wird es dann ganz unerheblich, ob alle meine Freunde von Facebook zu Google+ umziehen, da ich auch von hier aus mit ihnen kommunizieren kann.

Ich habe diesen Umzug auf jeden Fall vollzogen – und bin froh, dass ihn schon jetzt viele Freunde mitgemacht haben.

Stört ruhig meine Kreise!

4 Gedanken zu „GooglePlus – Soziale Kreise statt Netzwerke“

  1. Wollte mich gerade anmelden. Google+ in der Testphase ist voll ausgelastet. Dir scheinen sehr, sehr viele Leute folgen zu wollen, Tre. ^^

  2. Schönes Symbolfoto. ^^
    Warum umziehen, wenn man den ganzen Mist parallel betreiben kann? Ich gebe da eh nur ein Minimum an Informationen preis. Solange also keine Völkerwanderung stattfindet, ist der Grund für mein Facebook-Dasein die Existenz von Leuten auf Facebook. Erst wenn sich das ändert, würde ich mich von FB zurückziehen.

  3. Nein, umziehen. Sobald die Gruppe 50Jahre/50Texte nicht mehr benötigt wird, werde ich höchstens noch die Chatfunktion von FB nutzen.
    Ich bin der Meinung, dass man dieses Netzwerk fliehen sollte, sobald es geht.

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