Filmrezi: Conan der Barbar

Veröffentlicht von Nerdlicht Nerdlicht am

Am 8. September startet der neue Conan-Film in den deutschen Lichtspielhäusern. Ich habe mal wieder das seltene Privileg genießen können, ihn vorab in der Pressevorführung zu sehen – hier meine Meinung dazu:

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film war nix.

Er ist jetzt nicht ärgerlich schlecht – ragt aber auch leider durch keine Besonderheit über ganz normales Action-Einerlei hinaus.

Jetzt bin ich nicht mit allzu großen Erwartungen in den Film gegangen. Spannend für mich war aber schon die Frage, ob er sich mehr an den Original-Storys von Robert E. Howard oder an dem 1982er Filmklassiker von John Milius (mit Arnie in der Hauptrolle) orientieren wird.

Leider ist ihm weder das eine noch das andere so recht gelungen.

Aber fangen wir mit dem Guten an

Jason Momoa gibt einen angemessenen Conan ab. Überhaupt gefällt mir die Darstellung des Barbaren (die natürlich auch nicht sonderlich schwer ist: wortkarg, unbesiegbar, todesmutig, dickköpfig und gut).

Ich will mal behaupten, dass sie sich einen Hauch mehr am Original-Buch-Conan orientiert, als die Arnie-Variante.

Denn im neuen Film wird sofort klar gemacht, dass schon der junge Conan eine sture Kämpfernatur ist, die vor keinem Gegner zurückweicht – und auch jeden bezwingt.

Arnie musste ja erst auf die harte Tour als Sklave, Gladiator und leibeigener Söldner zu Conan werden – Jason ist es (wie in Howards Original) von Anfang an.

Damit hat sich’s aber eigentlich auch schon mit der Orientierung an den Büchern, denn den Racheplot bekommt dieser Barbar ebenfalls aufs Auge gedrückt. Auch ihm werden Eltern und Stamm weggemetzelt und auch er verbringt die folgenden Jahre damit, den Übeltäter aufzuspüren.

Die Frage, ob und wie dieser Film-Conan dem Howardschen Original nahekommt, erübrigt sich eigentlich damit. Die Nähe zum alten Film aber ist groß genug, um ihn daran zu messen.

Und als großer Fan des Arnie-Krachers bin ich der Meinung, dass er sich damit auch messen lassen muss.

Die Handlung

Recht ähnlich: Der junge Conan muss miterleben, wie sein Vater und sein ganzer Stamm niedergemacht werden. Nach jahrelanger erfolgloser Suche spürt er endlich den Übeltäter auf, jagt ihn und bringt ihn zur Strecke. So weit, so schlicht.

Den Unterschied macht die Umsetzung.

Wo der alte Arnie-Film einfach ohne große Erklärungen einsetzt und das feindliche Heer wie eine rätselhafte Naturgewalt über die zwar wehrhaften aber doch chancenlosen Barbaren kommen lässt (was für eine geile Szene ist allein der Auftritt des Scout-Läufers, den dann das Reiterheer donnernd umfließt), muss hier ein dämlicher Herr-der-Ringe-mäßiger Erklärungs-Vorspann gebracht werden: Die Teile einer zaubermächtigen Maske wurden vor Urzeiten über die Welt verteilt. Der böse Feldherr sammelt diese nun zusammen.

Der Herr der Ringe ist eine völlig andere Art der Fantasy. Dort braucht es großartige epische historische Hintergründe – aber doch nicht bei Conan.

Hinzu kommt, dass der Bösewicht im neuen Film eine ganz persönliche Motivation verpasst bekommt: Er will mit der Maske seine verstorbene Frau wieder zum Leben erwecken. Wie armselig ist das denn?

Ein Thulsa Doom hatte so etwas nicht nötig. Niemand kannte seine genauen Gründe. Macht? Reichtum? Das Geheimnis des Stahls? Wer weiß?

Aber gerade dadurch wurde er zu einem geheimnisvoll bedrohlichen Gegenspieler – und außerdem ist James Earl Jones natürlich einfach eine coole Sau.

Weniger ist oft mehr

Ganz allgemein lebt der alte Film ja vom Weglassen.

Arnie und die anderen Muskelprotz-Darsteller halten sich mit Wortäußerungen eher zurück. Viele Hintergründe und Motive werden einfach nicht erklärt. Wozu auch?

Wenn dies oft auch pragmatische Gründe gehabt haben mochte (Arnies Akzent, die mangelhafte Artikulationsgabe anderer Darsteller), hat es dem Handlungsfluss doch durchaus gut getan.

Anderes aktuelles Beispiel ist die letzte Vermurksung der alten Star Wars Trilogie durch George Lucas: Ein schweigender Darth Vader in der entscheidenden Szene in „Rückkehr der Jedi Ritter“ zeigt seinen inneren Konflikt viel eindringlicher, als einer der billig „Neeeeeein!“ schreit.

Die Musik

Und schließlich wäre der alte Arnie-Film ja nichts ohne den großartigen Soundtrack. Gibt es einen Rollenspieler da draußen, der noch nie zu den Klängen von Basil Poledouris auf Orkjagd gegangen ist oder Drachen geschnetzelt hat?

Und in dem Punkt stinkt der neue Film schließlich gänzlich gegen den Vorgänger ab. Allerwelts-Filmmusik-Gedudel, von dem mir nichts im Gedächtnis geblieben ist.

und sonst …

Die Kloppereien und das Gemetzel sind schon nett anzusehen. Wobei man den Eindruck hat, dass sehr viel Ressourcen in den zentralen Kampf mit den Sand-Dämonen gesteckt wurden, denn für die restliche Tricktechnik schien dann nicht mehr ganz so viel über zu sein. Selbst das obligatorische Krakenmonster war nur so mittel.

Die Handlungsführung wirkt oft etwas holperig. Conan wechselt scheinbar ständig seine Sidekicks, die Örtlichkeiten wechseln oft etwas unmotiviert.

Wie gesagt: Der Film hat nix besonderes – ganz schlichter Standard-Actionfilm.

Und die Abschiedsszene von der Trulla gegen Ende ist Helge Schneider in „Texas“ besser gelungen.

Ach ja … über die Qualität der 3D-Effekte kann ich nix sagen, da ich die aufgrund eines leichten Sehfehlers eh nicht sehen kann.

Kommentare ( 2 )

  1. AntwortenOwley
    Ich kannte einen, der fand, Conan wäre der beste Film 2011 gewesen. Ohne Flax. Ich hab mir den nicht angetan, und wie ich sehe, wohl auch zu Recht. Auch wenn Stephen Lang mittut, den ich eigentlich noch mag.
  2. AntwortenAce
    Ich glaube, ich lese lieber noch mal die alten Marvel-Taschenbücher zum Thema durch. Ich denke, da habe ich mehr von.