Tag: 14. Mai 2012

Lesetagebuch: Gratis Comic Tag 2012 – Teil 1

Zum dritten Mal riefen Comic-Händler und -Verlage zum Gratis Comic Tag (GCT) und die Fans der Neunten Kunst kamen in Strömen – darunter auch wieder meine Gattin, unser Töchterlein und ich.

Wie in den Jahren zuvor steuerten wir unseren Lieblingshändler an, bei dem es stets fünf pro Person zu ergattern gibt. Und da man mit drei Jahren selbstredend als Person zählt, gab’s für uns 15 der insgesamt 30 -Sonderausgaben. Allerdings wollte Töchterlein die Auswahl diesmal entscheidend mitbestimmen – so wie es ihr gutes Recht ist. Ein paar allgemeinere Gedanken zum Gratis Comic Tag 2012 hatte ich hier verfasst:

Gedanken zum Gratis Comic Tag 2012

Hier Teil 1 meiner Rezis über die erbeuteten Heftchen:

Justice League

Auf den Justice-League-Comic hatte ich mich besonders gefreut, stellt er doch den Auftakt zu DCs New 52 dar, dem kompletten Neustart des DC-Superhelden-Universums. Damit hatte ich mich schon beim US-Start recht intensiv beschäftigt und freute mich durchaus auf die erste deutschsprachige Ausgabe.

In meiner Naivität hatte ich damit gerechnet, beim GCT den regulären Band 1 von Justice-League vorgelegt zu bekommen – Pustekuchen. Jeweils drei armselige Seiten Leseprobe von „Justice League“ und „Batman: The Dark Knight“ und deutlich über die Hälfte Werbeseiten für den Neustart. Jaja, „geschenkter Gaul“ nak, nak, nak.

Aber mal ehrlich, lieber Panini-Verlag: Dafür braucht’s keinen Gratis Comic Tag! Solche Werbeprospekte druckt ihr nebenbei und schmeißt sie den Händlern hinterher. Die Händler dafür auch noch zahlen zu lassen – um damit dann die GCT-Enthusiasten zu veräppeln. Geht gar nicht!

Spider-Man

Das Heftchen hat durchaus Spaß gemacht. Auch wenn sich die Handlung in Grenzen hält:

Spidey hat schon länger seinen Spinnensinn verloren. Das ist etwas ärgerlich, da er sich gerade heute mit der wesentlich besser kampfgeschulten Spider-Woman anlegen muss (ist alles ein Missverständnis, schließlich ist man ja eigentlich befreundet – aber egal). Der Kampf wird von zwei Gestalten beobachtet, die beschließen, auch dem Wandkrabbler eine Nahkampfausbildung angedeihen zu lassen. Aber aus der aktuellen Nummer muss er erst mal selber rauskommen.

Selbstredend schafft „Die Spinne“ das mit flotten Sprüchen auf den Lippen doch – und beginnt kurz darauf seine Kung-Fu-Ausbildung um für das neue Marvel-Großevent gewappnet zu sein: Spider-Island!

Unter dem Titel beginnt wohl alsbald eine neue Spider-Man-Storyline, in der auf einmal etliche (alle?) Leute in Manhattan spontan Spideys Fähigkeiten entwickeln. Und das finde ich auf den ersten Blick erst mal weniger reizvoll. Dass mich eine Spidey-Storyline so richtig interessiert hat, ist eh ne ganze Weile her (Klonsaga? keine Ahnung) Aber vielleicht sollte ich mich irgendwann einfach mal wieder in Peter Parkers Abenteuer einlesen. Früher mochte ich die nämlich ziemlich gerne.

Game of Thrones

Da die Buchvorlage bekanntermaßen grandios ist, kann ein darauf basierender Comic eigentlich gar nicht schlecht sein. Nun haben wir mit der nicht minder grandiosen TV-Serie bereits eine hervorragende (mir gehen gerade die Superlative aus) Visualisierung der Bücher „geschenkt“ bekommen, die im Grunde bereits alles richtig macht.

Der Comic (wobei ich ihm zugestehen will, unabhängig oder gar vor der Serie entwickelt worden zu sein) erfindet das „Visualisierungs-Rad“ jetzt nicht neu. Der hochglänzende Zeichenstil ist durchaus gewöhnungsbedürftig – aber auch kein ernsthafter Kritikpunkt. Einen kleinen Vorteil kann der Comic aber für sich verbuchen. Er nutzt die – naturgemäße möchte ich sagen – Möglichkeit, sich noch viel näher an die Textvorlage zu halten, als die TV-Serie es tut.

So sehen wir hier die geisterhaften Anderen in all ihrer schrecklichen Pracht – wo uns im Fernsehen „nur“ eisäugige Schnee-Zombies gezeigt wurden. Dennoch: Die TV-Serie macht ihre Sache dermaßen gut, dass ich eigentlich keine andere Verbilderung mehr brauche. Dennoch ohne Frage ein guter Comic.

Gedanken zum Gratis Comic Tag 2012

Nach dem dritten – der Connaisseur kürzt es GCT ab – am vergangenen Samstag ziehen die Veranstalter eine positive Bilanz: 2012 haben mehr Händler als in den Jahren zuvor teilgenommen und die Resonanz in der Presse – on- wie offline – ist nochmals gewachsen. Die teilnehmenden Verlage und Fachhändler geben sich zufrieden – und auch die Reaktionen der Fans sind ungebrochen begeistert.

Wieso gibt’s hier was umsonst?

Vor drei Jahren beschloss man, die Idee des US-amerikanischen free comic book day auch in den deutschsprachigen Raum zu übertragen. Seitdem werden einmal im Jahr – am zweiten Samstag im Mai – ein paar Dutzend Comichefte aller namhaften Verlage kostenlos unters Volk gebracht. Es ist sehr offensichtlich – und wird auch ganz offen kommuniziert –, dass Haupt-Nutznießer dieser Aktion die Fachhändler sein sollen, die zunehmend unter der Online-Konkurrenz zu leiden haben.

Online-Shop kills the Comic-Book-Guy

Bücher waren mit das Erste, was sich erfolgreich im Internet verkaufen ließ. Buchhändler – und in noch größerem Maße die Spezialisten unter ihnen – zählten daher zu den ersten bedrohten Arten des Zeitalters der Digitalisierung. Comics sind und bleiben ein Nischenprodukt in der Welt der Bücher – wodurch es Comichändler mittlerweile besonders schwer haben dürften.

Große Buchhandlungen machen sich oft gar nicht mehr die Mühe, eine Comic-Abteilung zu bestücken. Der Freund der neunten Kunst bedient sich ohnehin längst der einschlägig bekannten Online-Marktplätze und -Auktionshäuser.

Hilfe naht!

Am generellen Aufschwung des an sich scheint der klassische Comic-Händler – hierzulande ohnehin eine seltene Spezies – daher nicht mehr so recht teilhaben zu können. Ein Glück daher, dass die Verlage ihm – in diesem Falle mit dem GCT – unter die Arme greifen wollen.

Selbstredend nicht aus purem Eigennutz. Denn die Aktion ist natürlich eine wunderbare Werbeveranstaltung um neue Käufer zu gewinnen oder den Fans neue Comicreihen zu präsentieren. Ob die Fortsetzungen dann online oder beim Fachhändler des Vertrauens erworben werden, interessiert den Verleger „am Ende des Tages“ dann nur noch zweitrangig.

Zudem muss der teilnehmende Händler die Sonderausgaben, die er gratis unters Volk bringen soll, bei den Verlagen erwerben. Was durchaus in Ordnung ist. Denn kaum eine andere Werbemaßnahme könnte dermaßen zahlreiche potentielle Neukunden in die oft versteckten Fachgeschäfte treiben, wie es der GCT tut.

Es bleibt schwierig

Dennoch mag man die Behauptung aufstellen, dass die Rechnung für die Verlage leichter aufgeht. Denn der Großteil der Comicfreunde wird dem beim GCT geweckten Kaufanreiz erst zu Hause am Rechner nachgeben.

So experimentieren einige Händler noch immer, wie sie am besten die GCT-Begeisterten durch ihre Läden schleusen, damit sie vielleicht doch noch mal stöbern und kaufen – anstatt einfach schnell wieder mit ihrer Beute zu verschwinden.

Aber ein Allheilmittel kann auch ein noch so erfolgreicher Gratis Comic Tag nicht sein. Die Fachhändler werden sich auch weiter tagtäglich mit der Konkurrenz aus dem Netz auseinandersetzen müssen.

Support your local dealer!

Letztlich liegt es an der Entscheidung jedes einzelnen Comicfans. Solche großartigen Aktionen wie der GCT sind ohne Händler schlechterdings nicht möglich. Und um wie vieles ärmer ist eine Stadt, wenn irgendwann auch die letzte Ladenfläche mit der Filiale einer internationalen Kette besetzt ist, bis alle Innenstädte der Welt austauschbar sind?

Also: Ruhig mal auch außerhalb vom GCT dem nächsten Comicladen einen Besuch abgestattet – ganz in Ruhe. Ein bisschen stöbern, mal den Händler nach guten Tipps fragen – und vielleicht den ein oder anderen Schatz entdecken. Wo sich der nächste Laden befindet, ist ja spätestens seit dem letzten Gratis Comic Tag bekannt.

ANMERKUNG: Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf dem einstigen Nachrichtenportal , das bedauernswerterweise vor einiger Zeit seinen Betrieb eingestellt hat.

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