Online-Bücherregale im Vergleich: Goodreads vs. Shelfari … oder doch Reliwa?

Als ordnungsliebende Leseratte hatte ich mich schon vor einigen Jahren auf die Suche nach einer Möglichkeit begeben, den eigenen Buchbestand online bequem verwalten zu können. Eine überall einsehbare Übersicht darüber, was man noch alles in zweiter Reihe im Billy-Regal stehen hat, was man immer schon mal lesen wollte – und mit der man vor der Welt prahlen kann, was man schon alles weggeschmökert hat.

Entsprechende Möglichkeiten gibt’s natürlich noch und nöcher. In den letzten dreieinhalb Jahren habe ich mich mit dreien davon mehr oder weniger intensiv befasst – darunter der Marktführer „Goodreads“, das Konkurrenz-Produkt von Amazon „Shelfari“ sowie eine kleines deutsches Ein-Mann-Projekt namens „Reliwa“.

Alle haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile – und ich bin nun an einem Punkt, an dem ich mich in dieser Sache nochmals grundsätzlich entscheiden muss.

Somit folgt nun der ultimative Vergleich der Online-Bücherregale …

Reliwa – klein angefangen

Bei meiner Suche landete ich im März 2009 zunächst bei der kleinen deutschen Seite Reliwa, die offenbar im Alleingang von @ca168168 betrieben wird. Mir als Einsteiger in die Welt der Online-Bücherregale gefiel sie gut und ich legte hier nach und nach meinen Datenbestand von gut 400 Büchern an. Das geht recht einfach, da Reliwa sowohl mit dem deutschen als auch dem englischen Amazon-Katalog verbunden ist und man sich alle Bücher dort problemlos in den eigenen Datenbestand ziehen kann.

Einschub: Reliwa steht für „Read, Listen, Watch“ und bietet zusätzlich die Möglichkeit, seine Filme und Musikalben zu verwalten – das aber nur am Rande.

Es gelang mir sogar, ein paar Freunde zu mobilisieren, sodass auch ein kleines Community-Erlebnis aufkam.

Für meine bescheidenen Zwecke funktionierte Reliwa immer recht gut. Allerdings gelangte es mit seinen wenigen Features doch irgendwann an seine Grenzen. Ich wollte mehr als nur grob katalogisieren. Drum begab ich mich zwei Jahre später erneut auf die Suche …

Goodreads – der Markführer

… und landete im April 2011 beim Platzhirschen in Sachen Lese-Social-Network: Goodreads. Der Wechsel war recht einfach. Reliwa ermöglicht es, seine Daten als CSV-File zu exportieren – und Goodreads hat eine entsprechende Import-Funktion. Auch hier war die Verbindung mit den Amazon-Katalogen gegeben, sodass ich meinen Buchbestand stetig aufbauen und aktualisieren konnte.

Doch Goodreads kann noch etliches mehr. Es ist vielmehr Social-Network und deutlich besser an die modernen Kommunikationskanäle angebunden. Die eigenen Aktivitäten werden in einer Timeline angezeigt, können einzeln Kommentiert und natürlich auf den üblichen Netzwerken geteilt werden. Zudem können Buchbestand und Lesestatus viel detaillierter dargestellt werden. So lässt sich seitengenau angeben, wie weit man beim aktuellen Buch gerade vorgedrungen ist, kann das ganze mit einer Statusmeldung versehen und ggf. von Freunden kommentieren lassen.

Auch hierher folgten mir meine Freunde – und ich stellte fest, dass etliche meiner Twitter-Bekanntschaften längst dort waren.

Man findet hier eine gigantische – hauptsächlich englischsprachige – Community vor, die sehr rege diskutiert … und über die Ordnung im Gesamt-Datenbestand wacht. Doch dazu später mehr.

Eigentlich hatte ich das Paradies gefunden. Es gibt sogar eine Android-App mit Barcode-Scanner, mit der man auch unterwegs neue Bücher einlesen und auf die Wunschliste oder in jedes beliebige andere virtuelle Regal packen  kann.

Aber ich wurde aus dem Paradies vertrieben.

Denn Anfang 2012 beschloss Goodreads, die Amazon-Verbindung zu kappen. Die Gründe dafür kann man hier nachlesen, sie interessieren mich ehrlich gesagt auch herzlich wenig. Für die meisten (englischsprachigen) Leser hatte das angeblich nur auf 2% des Buchbestandes überhaupt Auswirkungen.

Für mich bedeutete es, dass wenigstens 10% meiner bestehenden Datensätze auf einen Schlag unbrauchbar waren – und auch gefühlt jedes zweite neue Buch nicht mehr erkannt wurde. Nun kann man bei Goodreads auch selbst Bücher anlegen. Man wurde nach dem Katalogwechsel sogar angehalten, die „kaputten“ Datensätze zu reparieren.

Aber mein kurzzeitig vorhandener entsprechender Elan erlahmte schnell – zumal man recht umfangreiche Datensätze je Buch anlegen und sich dann auch noch dem strengen Urteil der Community stellen muss. Was dem erbarmungslosen Auge der Goodreads-Gemeinschaft nach kein Buch ist, wird schnell als NAB (not a book) markiert und wieder aus dem Datenbestand gekickt.

Ich hab auf jeden Fall bald die Lust am einstigen Paradies verloren und mich erneut nach Ersatz ungesehen.

Shelfari – die Konkurrenz von Amazon

Im Dezember 2012 erfuhr ich dann von Shelfari, einem vergleichbaren Produkt, das vor einigen Jahren in die große Amazon-Familie aufgenommen wurde. In meinem jugendlichen Leichtsinn nahm ich sofort an, dass hier doch eine vernünftige Anbindung an die Amazon-Datenbanken vorhanden sein müsste.

Tja … leider gibt’s hier „nur“ eine Verbindung zum englischen Buchkatalog von amazon.com … Zwar sind in diesem schon eine ganze Menge mehr deutschsprachiger Bücher enthalten, gerade in Sachen Comic-Alben aber leider längst nicht alles.

Das stellte ich allerdings erst nach dem Umzug meiner Daten fest, der aber recht problemlos vonstatten ging. CSV-Import ist hier ebenfalls einfach. Mein ganz persönlicher Gesamteindruck war sogar positiv. Mir wirkt das alles etwas schlanker, schicker und nutzerfreundlicher als bei Goodreads. In Sachen Features und Community-Größe hinkt Shelfari dem Platzhirschen aber hinterher. Die meisten Sachen fehlen mir jedoch überhaupt nicht – höchstens eine App hätte ich nett gefunden.

Auch wenn sie kleiner sein mag, ist die Community dennoch aktiv. In den Foren hab ich zumindest schnell Antworten auf ein paar Fragen erhalten. Dabei hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass Shelfari von Amazon ein wenig Stiefmütterlich behandelt wird.

Schließlich hatte sich sogar einer der Betreiber gemeldet und in Aussicht gestellt, dass irgendwann auch mal anderssprachige Amazon-Kataloge angebunden werden. Konkreter wollte man aber nicht werden.

Eine Verbesserung stellt Shelfari also zur Zeit für mich nicht dar. Was also tun …?

Zurück auf Los?

Jetzt hab ich also glücklich auf drei Plattformen meinen Buchbestand in unterschiedlicher Qualität und Aktualität archiviert – und bin mit keiner dieser Plattformen 100%ig zufrieden. Da die Datenbankanbindung bei Reliwa für meine Zwecke am Besten ist, tendiere ich dazu, einfach dorthin zurückzukehren. Meinen Account dort hatte ich nie gelöscht und auch die Daten liegen dort noch – natürlich etwa zwei Jahre veraltet.

Tatsächlich bin ich grad dabei, den Bestand dort zu aktualisieren. Eine kurze Recherche in den dortigen Foren hat ergeben, dass es immer noch eine kleine aber treue Reliwa-Gemeinde gibt und der Entwickler hat versprochen, sein Projekt auf absehbare Zeit nicht vom Netz zu nehmen – wenn er auch keine Zeit für Weiterentwicklungen hat.

Und die wären leider schon nötig. Das Hinzufügen und bearbeiten einzelner Bücher ist unheimlich langsam. So etwas wie „Stapelverarbeitung“ gibt’s gar nicht. Zudem unterscheidet Reliwa nur nach „gelesen“, „lese gerade“ und „möchte lesen“. Man kann zwar Tags hinzufügen, ein Lesedatum lässt sich aber nicht eintragen, sodass eine vernünftige Chronologie nicht möglich ist.

Dennoch denke ich, dass ich diese Nachteile in Kauf nehmen werde. Denn ohne eine vernünftige Datenbankanbindung helfen mir alle Features nichts. Und vielleicht kommt Shelfari ja doch noch mal mit einer amazon.de-Verbindung um die Ecke. Der Umzug ist ja leicht …

Edit 3/2015: Nachdem Amazon nun schon vor einigen Jahren auch Goodreads aufgekauft hat, ist es natürlich wieder ordnungsgemäß mit allen Amazon-Katalogen verbunden. Das Paradies hat also wieder geöffnet – und ich habe vor kurzem sogar meine Trägheit überwunden und bin wieder eingezogen …

10 Gedanken zu „Online-Bücherregale im Vergleich: Goodreads vs. Shelfari … oder doch Reliwa?“

  1. Das Einfügen und Katalogisieren der Bücher ist dank der App und dem ISBN-Scanner einfach und schnell, wenn es auch natürlich ziemlich Akku braucht.
    Die Bücher dann zu bearbeiten, mit den verschiedenen Regalen, Zusätzen und Änderungen braucht seine Zeit, daher lohnt es sich, vorher bereits eine Grundvorstellung zu haben.

    Ich schätze Goodread, da es mir aufgrund meiner bereits gelesenen und bewerteten Bücher gute Vorschläge angibt. Deutsche Bücher und Mangas sind dank der Verbindung zu Amazon vorhanden, werden aber nicht in den Vorschlägen angezeigt.
    Leider sind viele der Bücher auf Englisch und teilweise nicht auf Deutsch erhältlich.

    Abschliessend würde ich sagen, ist es eine gute und ziemlich durchdachte Sache.
    Ich wünschte mir nur, es gäbe einen Ableger von GR mit Hauptaugenmerk auf das Deutschsprachige.

    1. Hab ich bisher nicht ausprobiert. Meine mal aufgeschnappt zu haben, dass das ab 500 Büchern kostenpflichtig wird.

    1. Äääh … Gute Frage … Ich habe auf Deinen Kommentar hin erstmals ernsthaft in Google Books reingeschaut (kannte ich bislang nur dem Namen nach). Scheint mir auf den ersten Blick aber eine ernsthafte Option zu sein.

      Ich werde mir das mal genauer anschauen und ggf. berichten. 🙂

  2. Bei Goodreads fühle ich mich ganz gut aufgehoben, aber ich poste sowieso simultan auf GR, Amazon und im Blog. Wobei ich ja alles mögliche kommentieren muss (sie diesen Post), daher habe ich mir in erster Linie einen Blog zugelegt. Bei GR finde ich es auch recht gut, dass ich meinen „Autoren“ auf ihren Blogs folgen kann.

    1. Goodreads bleibt vor allem für englischsprachige Leser weiterhin die Plattform der Wahl. Von den Features und dem Komfort her können die anderen da beiweitem nicht gegen anstinken. Nicht umsonst tummeln sich da etliche Autoren.
      Insofern bedaure ich es auch sehr, dass hier für mich keine brauchbare Datenbank mehr zugrunde liegt.

    1. Ohne das jetzt geprüft zu haben wurde ich sagen: jedes.
      Fraglich ist die jeweilige Sprache und das Format.
      Bei Reliwa gilt: Du findest alles, was es beim deutschen und englischen Amazon gibt.
      Bei Shelfari: Alles, was es beim englischen Amazon gibt
      Goodreads: Alles was es in deren komischen amerikanischen Bücherei-Datenbank gibt, auf die die zugreifen.

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