Lesetagebuch: Blutroter Stahl

Blutroter Stahl
Grimmige Fantasy: Blutroter Stahl aus dem Hause Prometheus

Wie angekündigt äußere ich mich heute mal etwas ausführlicher zu der Fantasy-Anthologie „Blutroter Stahl“ aus dem Hause Prometheus. In einem „Lesetagebuch Spezial“ widme ich mich ausschließlich dieser Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Sword-and-Sorcery-Genre, für die Prometheus etliche Indy-Autoren zusammentrommeln konnte. Einige der Geschichten haben mir sehr gut gefallen – doch Qualität und Gesamteindruck sind durchaus durchwachsen. Aber lest selbst …

Disclaimer

Um gleich in einem Punkte Transparenz walten zu lassen: Mir wurde die eBook-Version dieses Buches dankenswerterweise kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich gelobe hiermit feierlich, dass dies keinen Einfluss auf mein schonungsloses Urteil hat.

Gesamteindruck

Schon der Titel ist bombastisch – und der Untertitel setzt noch einen drauf: „Sword&Sorcery-Geschichten für brachiale Helden“. Entsprechend blickt dem Betrachter vom Einband ein grimmiger Krieger entgegen, dessen Breitschwert schon etliche Blutfontänen verursacht haben dürfte. Die Erwartungshaltung ist daher klipp und klar: Hier geht’s mächtig zur Sache. Man darf sich auf ordentliche Kloppereien à la Conan freuen – mal blutig ernst, vielleicht auch mal humorig überzogen, mit Sicherheit aber stets kurzweilig und unterhaltend. Und das hochwertige Titelbild lässt hoffen, dass Prometheus keine Mühen gescheut hat, professionelle Künstler für sein Projekt zu gewinnen.

Eine Hoffnung, die sich beim ersten Durchblättern jedoch ein wenig relativiert. Durch die unterschiedliche Qualität der Innenillustrationen, die – wie sich beim Lesen später herausstellt – auch nur zum Teil direkten Bezug zu den Geschichten haben, hat das Werk streckenweise doch eher etwas Fanzine-haftes.

Sinn und Zweck der rudimentären Vorstellung der Autoren und Zeichner am Ende des Buches erschließen sich auch nur bedingt. Man hätte sich schon ein, zwei Sätze zu jeder Person gewünscht – stattdessen findet man nur Links auf die Internetseiten und Facebookprofile. Wenn überhaupt. Die kriegt man durch eine schnelle Google-Suche des jeweiligen Namens auch selbst raus. Hätte man sich redaktionell mehr Mühe geben – oder das ganze sparen können.

Aber genug des oberflächlichen Gemeckers, denn entscheidend sind bei einer Kurzgeschichten-Anthologie selbstredend die Kurzgeschichten selbst.

Die Geschichten

Der Prometheus-Verlag hat für diese Anthologie zahlreiche Indy-Autoren gewinnen können. Und wer sich in der Szene ein wenig auskennt, dem wird der ein oder andere Name auch ein Begriff sein. Und schon die ersten Geschichten zeigen: Hier werden die Erwartungen schon deutlich besser erfüllt. In meist recht klassischen Fantasy-Szenarien bekommen es mehr oder weniger unerschrockene Helden mit diversen Ungeheuern oder sonstigen Fieslingen zu tun, die unter Einsatz von Schwertern und Äxten überwunden werden müssen. Das macht größtenteils viel Laune – auch wenn die Qualität der einzelnen Geschichten großen Schwankungen unterworfen ist.

Sicherlich: vieles ist Geschmackssache – aber hier und da wäre ein strenges stilistisches Lektorat vielleicht angebracht gewesen. Und den zwei, drei Ausreißern nach unten stehen mindestens ebensoviele Perlen gegenüber, die durch einen etwas anderen Stil, einen spannenden Plot oder den Bruch der klassischen Fantasy-Klischees herausragen.

Als positive Beispiele seien hier die dritte und vierte Geschichte hervorgehoben. In „Das Geheimnis des Stahls“ reduzieren Judith & Christian Vogt einen ganzen Heldenepos im Stile einer Sagenerzählung auf nur wenige Seiten. Das hat mir sehr gut gefallen. Gleich die nächste Geschichte von Thorsten Küper mit dem etwas sperrigen Titel „Finde Frieden unter den geborstenen Monden“ begeistert durch ein spannendes Psychoduell zweier scheinbar ungleicher Gegner mit einer durchaus überraschenden Pointe. So muss eine gute Kurzgeschichte sein.

Von den wenigen Ausfällen abgesehen, bieten alle Geschichten die erhoffte Unterhaltung mit klassischer Fantasy-Kost.

Fazit

Für knapp fünf Euro für das eBook und knapp 15 Euro für das Taschenbuch bekommt man eine ganze Menge solider bis herausragender Fantasy-Kost geboten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kann also optimaler kaum sein. Für Freunde klassischer Sword-and-Sorcery-Geschichten ist das Buch auf jeden Fall einen Blick wert – für Freunde der Indy-Autoren-Szene umso mehr.

Buchdetails

Blutroter StahlAndré Skora, Ingo Schulze, Michael Quay (Hrsg.):
Blutroter Stahl, Sword&Sorcery-Geschichten für brachiale Helden

Prometheus Verlag, Duisburg 2016
(eBook: 4,99, Taschenbuch: 14,99)

Das Buch im Prometheus Shop:

Ein Gedanke zu „Lesetagebuch: Blutroter Stahl“

  1. Endlich mal jemand, der „Das Geheimnis des Stahls“ hervorhebt. Mir gefiel die nämlich auch wahnsinnig gut. Der Stil ist etwas ungewöhnlich, aber gerade der macht den Reiz aus.

    Der Hinweis auf die Biografien ist gut, da werden wir nächstes Mal mehr wert drauf legen und die Autoren mehr piesacken …

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