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Lesetagebuch: Die Damen und Herren Marvel

In dieser Ausgabe meines Lesetagebuchs breche ich mal mit meinem üblichen Schema und plaudere ausschließlich über einige der Comic-Superheldinnen und Helden, die unter dem Namen Captain bzw. Miss Marvel unterwegs sind. Von denen hatte ich nämlich gerade ein paar am Wickel. Aber lest selbst …

In dieser Ausgabe meines Lesetagebuchs breche ich mal mit meinem üblichen Schema und plaudere ausschließlich über einige der Comic-Superheldinnen und Helden, die unter dem Namen Captain bzw. Miss Marvel unterwegs sind. Von denen hatte ich nämlich gerade ein paar am Wickel. Aber lest selbst …

Marvel? DC? Ja watt denn nu?

Mir soll es hier um jene Marvels (ob Captain oder Miss) gehen, die beim gleichnamigen Verlag ihr gutes Werk verrichten. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der „original“ Captain Marvel natürlich der Knabe ist, der mittlerweile unter dem Namen „Shazam“ bei DC-Comics rumschwirrt. Dieses verlagsübergreifende Namensrechtewirrwarr ist für sich eine ganz spannende Geschichte, die der geneigte Leser bei Wikipedia gern nachlesen mag. Ich selbst bin mit dem DC-Captain nur relativ oberflächlich vertraut, hab hier und da mal was von ihm gelesen – und kenne natürlich das Amalgam beider Captains. Und bin kürzlich rein zufällig darauf gestoßen, dass sogar der gute alte Uderzo sich mal an dieser Marvel-Sippe versucht hat:

Aber das nur nebenbei …

Der Klassiker: Mar-Vell

Der erste Captain, den Marvel sich nach dem Zugriff auf die Namensrechte ausgedacht hat, kommt als ziemlich schlichtes Superman-Duplikat daher. Mar-Vell ist ein außerirdischer Kree-Soldat, der eigentlich das irdische Raumfahrtprogramm sabotieren soll, sich dann aber dafür entscheidet, auf der Erde Gutes zu tun. Ob Kree generell Superkräfte haben oder nur auf der Erde – oder ob nur Mar-Vell (aus Gründen) welche hat – hat sich mir dabei nie so ganz erschlossen. Mar-Vells Armbänder (die passenderweise auch noch Sonnenenergie sammeln) spielen da sicher eine Rolle sowie das „kosmische Bewusstsein“, das ihm von irgendwelchen Überwesen verliehen wurde. So weit, so kryptonisch. Dass er schließlich dann auch noch regelmäßig den Platz mit dem Jugendlichen Rick Jones tauscht (sich also de facto in ihn verwandelt und vice versa), lässt ihn dann wieder als ziemlich dreiste Shazam-Dublette erscheinen.

Und dennoch: Mir haben die Sachen, die ich mit ihm gelesen habe allesamt recht gut gefallen. Zumal er auch immer mehr zum kosmischen Helden wurde, der im All umherdüst, um dort Abenteuer zu erleben. In dieser Reihe wurde auch der kosmische Erzschurke Thanos aus der Taufe gehoben, der das Marvel-Universum nachhaltig bereichert hat. Die Serie war allerdings nie erfolgreich genug, sodass man den Captain schließlich sterben ließ. Endgültig. Ja, wirklich und endgültig (alle bisherigen Wiederauferstehungen waren nur von kurzer Dauer). Und gerade sein dramatisches Ableben machte Mar-Vell und seine Geschichte dann doch zu einer ziemlich besonderen Sache, starb er doch nicht im Kampf sondern sehr „realistisch“ und eindringlich beschrieben an Krebs.

Söhne und andere Captains

Es folgte eine Zwischenphase, in der Monica Rambeau den Titel des Captains übernimmt und in der diverse Nachkommen von Mar-Vell etabliert werden, die ebenfalls kurz in die Fußstapfen des Vaters treten. Von all denen hab ich bislang aber nur sehr wenig gelesen. Genis-Vell (der Sohnemann) ist mir bislang nur in Avengers Forever kurz untergekommen.

Von der Miss zum Captain: Carol Danvers

Und dann war da noch Carol Danvers. Schon zu Lebzeiten Mar-Vells wurden der irdischen Pilotin durch einen recht hanebüchenen Unfall die Kräfte Captain Marvels übertragen, wodurch sie fürderhin sogar als genetische Halb-Kree galt. Wie damals üblich sollte sie künftig als weibliche Version des Helden durch die Gegend düsen, nannte sich folgerichtig Miss Marvel und tat ebendies.

Bis dato kannte ich von dieser Dame auch so gut wie gar nichts – außer, dass sie hin und wieder mal bei Anhäufungen mehrerer Avengers zugegen war. Als sie sich dann in Captain Marvel umbenannt hatte – und sie angesichts des nahenden Auftritts im MCU auch in den Comics immer bedeutender zu werden schien, habe ich kürzlich mal einen Comixology-Sale genutzt und mir ihre letzten Serien ab 2012 zugelegt.

Zeitreisen, Weltraumtripps und Alpha Flight

Es waren deren drei. Der erste Run lief von 2012 bis 2013, besteht aus 17 Heften, von denen blöderweise nur die ersten zwölf Hefte in Sammelbände zusammengefasst sind. Deswegen habe ich diesen Abschnitt nicht zu Ende gelesen – auch wenn er durchaus interessant ist. Zum einen beschließt Carol hier erstmals, sich in Captain Marvel umzubenennen, was durchaus nett thematisiert wird. Unter anderem hat sie sich dafür vor Monica Rambaeu (s.o.) zu rechtfertigen. Kerhandlung ist eine Zeitreise, die sie unter anderem auch mit ihrem eigenen Origin konfrontiert.

In der nächsten Runde von 2014 bis 2015 zieht es Carol ins All, wo sie recht kurzweilige Abenteuer erlebt, die sie oft die Pfade der Guardians of the Galaxy kreuzen lassen. Hier tritt sie durchaus in die Fußstapfen des ollen Mar-Vell, der in seinen guten Storylines ja auch ein kosmischer Held war. Die 15 Hefte sind komplett auf drei Sammelbände aufgeteilt, die ich mir allesamt zu Gemüte geführt – und für gut befunden habe.

Ihre Weltraum-Erfahrung hat wohl dazu geführt, dass sie in ihrer 2016 gestarteten Serie die orbitale Verteidigung der Erde unter der Bezeichnung Alpha Flight übernimmt. Moment mal … Alpha Flight? Waren das nicht die kanadischen Avengers? Jupp, ein paar der alten Helden aus diesem Team sind auch mit am Start, als Carol einen Angriff auf die Erde umboxen muss. Mehr als den ersten Sammelband, der noch unmittelbar vor dem Secret-Wars-Bruch spielt, habe ich hier noch nicht gelesen. Ohnehin folgen unmittelbar darauf die Ereignisse des zweiten Civil War.

Auch wenn sie an vielen Stellen als sehr klassischer Superheld (ihre genauen Kree-Kräfte habe ich nie so recht geschnallt – ist aber alles sehr Superman-mäßig) daher kommt, gefallen mir Carol und ihr drumherum (die obligatorischen Nicht-Super-Freunde, die Beziehung zu Rhodey etc.) sehr gut. Die draufgängerische Pilotin kommt oft sehr burschikos daher, haut gerne mal drauf, bevor sie nachfragt, hat aber – natürlich – das Herz am rechten Fleck. Und auch ihre Storys – ob im All oder auf Erden – machen bislang Laune.

Kamala Khan – die neue Miss Marvel

Und dann kam Kamala. Einer der großartigsten Neuzugänge der marvelschen Superheldenbevölkerung ist die junge Kamala Khan aus Jersey City. Tochter pakistanischer Einwanderer, absolutes Geek-Girl und größter lebender Carol-Danvers-Fan. Als sich dann auch noch herausstellt, dass sie Inhuman-Gene in sich trägt und (mehr oder weniger) spontan Superkräfte entwickelt, wird sie die neue Miss Marvel – und in bester Spidey-Tradition der jugendliche Beschützer der eigenen Nachbarschaft mit etlichen allzu menschlichen Problemen vor der Brust.

Diese Reihe ist eine absolute Kauf- und Leseempfehlung. Ich wüsste nicht, wann es Marvel zuletzt gelungen wäre, mit einer neuen Superheldin an den Start zu gehen, die eine so großartige Geschichte erzählt. Die Serie ist witzig, klug und spannend. Die Charaktere sind facettenreich und realistisch. Das ganze Konstrukt ist glaubhaft und fantastisch gleichermaßen.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Bei Carol habe ich gerade Civil War 2 vor der Brust, scheue mich aber, da richtig einzusteigen. Das erste Heftchen dieses ersten Nach-Secret-Wars-Crossovers hat mich nur mäßig begeistert. Erneut stehen sich die Superhelden in zwei Fraktionen gegenüber. Diesmal heißt es jedoch Iron Man gegen Captain Marvel. Der Reumeier findet’s ja ganz gut. Laut io9 musste Carol als positive Heldenfigur dabei aber ziemlich Federn lassen, weswegen Marvel jetzt wohl in einer neuen Reihe versucht, sie wieder sympatisch zu machen – damit auch alle in den kommenden MCU-Film gehen. Mal schauen, ob ich Civil War 2 einfach überspringe.

Und Kamala ist mittlerweile ein richtiger Avenger, ihre Serie verliert dabei aber nicht ihre Bodenhaftung. Die ersten Hefte aus dieser Zeit haben mir auch gut gefallen. Die unbedingte Leseempfehlung bleibt hier bestehen.

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