Lesetagebuch: Perry Rhodan 3000 – Mythos Erde

Veröffentlicht von Herr Kowski am
Lesetagebuch: Perry Rhodan 3000 – Mythos Erde

Liebes Lesetagebuch, wann soll ich das nur alles lesen ...?

Da isser endlich: Der große Perry-Rhodan-Jubiläumsband 3000. Er kommt etwas mühsam in die Gänge, hat mir dann aber gut gefallen. Ein solider SF-Thriller mit einem kleinen Bisschen Mythos.

Zum vorigen Heft: Perry Rhodan 2999 – Genesis

Entgegen meinem Plan, das besondere Heft in klassischem Printformat zu ergattern, wurde es nach erfolgloser Suche in diversen Zeitschriftenläden dann doch die Kindle-Ausgabe. Das tat meiner Vorfreude aber keinen Abbruch.

Neuer Zyklus, neues Glück

Wie bereits angekündigt, startet der neue Handlungszyklus ab Band 3000 mit einen Zeitsprung, der Heldinnen und Helden sowie Leserinnen und Leser gleichermaßen eine komplett neue Bühne bereitet. Gleich zwei Autoren – nämlich die beiden Expokraten Wim Vandemaan und Christian Montillon – haben sich der Aufgabe gestellt, diesen Start in eine neue Metahandlung zu inszenieren. Entsprechend finden wir zwei voneinander getrennte Handlungsstränge vor, von denen ich im Folgenden berichten möchte. Daher:

WARNUNG VOR DEM SPOILER

Perry im Leerraum

Natürlich beginnt alles mit dem Titelhelden höchstselbst. Er erwacht in seinem Raumschiff aus dem künstlichen Tiefschlaf und erkennt sofort, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Schiff schwebt aus Gründen, die sich aus der vorangegangenen Handlung ergeben, im intergalaktischen Leerraum außerhalb der heimatlichen Milchstraße. Das ist aber kein Grund zur Unruhe – auch nicht die bald wachsende Erkenntnis, dass man offenbar mehrere Jahrhunderte verschlafen beziehungsweise übersprungen hat. Damit hatte man gerechnet.

Rhodan ist vielmehr die Erkenntnis unheimlich, dass in der Zwischenzeit jemand an Bord des riesigen vollautomatisierten und mehrfach gesicherten Raumschiffes gelangt ist, die Bord-KI abgeschaltet und ihn selbst offenbar chirurgisch untersucht hat. Glücklicherweise stellt der Eindringling trotz allem keine Bedrohung dar. Zemina Paath ist mit ihrem mysteriöser „Koffer“ und ihrem Raumschiff offenbar selbst auf der Flucht – auch wenn sie auffällige Erinnerungslücken vorgibt, weswegen sie nur wenige Details offenbaren kann.

Immerhin erfahren die Heldinnen und Helden, die schließlich alle aus dem Tiefschlaf erwachen und ihr Schiff wieder in Besitz nehmen, folgendes: Die Milchstraße hat in den letzten 500 Jahren dramatische Umwälzungen erfahren. Die Erde ist verschwunden und wird dank eines galaxisweiten Datenverlusts sogar als Mythos angesehen, eine Legende, die sich die überall verstreut lebenden Menschen ausgedacht haben. Dominierende Macht sind mittlerweile die bis dato unbekannten Cairaner, die mit recht rabiaten Mitteln den Frieden in der Galaxis sichern. Nur ein kleines Häufchen unabhängiger Menschen und Galaktiker scheint sich im Zentrum der Galaxis zu verschanzen – unter der Leitung von niemand geringerem als Rhodans altem Freund der ersten Stunde Reginald Bull.

Mit den neuen Finsterlingen kommt es sogar zu einer ersten Konfrontation. Ein cairanisches Raumschiff taucht auf und fordert, sich zu ergeben. Nach einem kurzen Gefecht gelingt Rhodan und Co. die Flucht und man plant erste Erkundungsmissionen in die Milchstraße.

Solider Thriller in der Milchstraße

Der andere Handlungsstrang gibt einen Einblick in die aktuellen Zustände in der Milchstraße. Im Fokus steht die Terranerin Giuna Linh, die ganz persönlich unter der Herrschaft der Cairaner leidet. Ihr Ehemann wurde nämlich verhaftet und in ein bizarres Hochsicherheitsgefängnis verbracht, in dem die Delinquenten rund um die Uhr gejagt werden und um ihr Leben rennen müssen. Von dieser Willkür und fehlenden Rechtsstaatlichkeit abgesehen scheinen Leben und Alltag in der Galaxis aber recht unbeschwert zu sein.

Giuna plant, ihren Mann zu befreien und gerät dabei an den Geheimdienst der oben erwähnten unabhängigen Galaktiker. Die Agenten bieten ihre Hilfe an und es gelingt in einer spektakulären Mission tatsächlich, in das Gefängnis einzubrechen, den Mann zu finden und zu befreien.

Über die Hintergründe erfährt man auch hier nur wenig. Ganz am Ende wird aber noch mal kurz zu Reginald Bull umgeblendet, der den Widerstand anführt und nie die Hoffnung aufgegeben hat, dass sein Freund Perry Rhodan eines Tages zurückkehrt.

Ein kleines Bisschen Mythos

Das alles liest sich sehr flüssig, ist solide und spannend erzählt. Für meinen Geschmack ist es aber noch einen Hauch zu unspektakulär und verhalten geraten.

Damit meine ich gar nicht mal, dass die beschriebene Ausgangssituation für einen alten Perry-Rhodan-Hasen nicht innovativ neu wirkt – wenigstens die Bände 500 und 1400 warten mit ganz ähnlichen Szenarien auf. Es wäre schlicht ungerecht, das nach 3000 Heften ernsthaft zu erwarten.

Vor allem die Milchstraßenhandlung braucht ein wenig, um in die Gänge zu kommen, um Interesse für Charaktere und Szenario zu wecken – geschweigedenn Begeisterung. Und selbst die Perry-Handlung geht sehr sparsam mit einfallsreichen Science-Fiction-Elementen (Raumschiffe, KIs und Außerirdische sind einfach mal gesetzt) und dem viel zitierten Sense of Wonder um.

Das ist auch deswegen schade, da ich durch meine sporadischen Einblicke in einige vorangegangene Hefte weiß, dass das aktuelle Autorenteam eigentlich dazu in der Lage ist. Um das aber ins Positive zu drehen: Ich bin sehr zuversichtlich, dass in den kommenden Heften noch einiges in der Richtung zu erwarten ist.

Und beim Positiven bleiben wir: Mir gefällt das Szenario und mir gefällt die Idee mit dem Mythos. Eine der besten Stellen war, als sich zwei Menschen in der Milchstraßenhandlung über ihre vermeintliche Ursprungswelt unterhalten haben. „Was, du glaubst wirklich an die Erde?“ Daraus lässt sich was machen.

Ich finde außerdem, dass es den Autoren wieder besser gelingt, die Unsterblichen und Perry Rhodan selbst darzustellen. Gerade das Zurücknehmen wird den 3000 Jahre alten Helden viel gerechter als viele Ansätze zuvor. Und ich kann mir vorstellen, dass die Mythos-Thematik auch darauf einen positiven Einfluss haben wird. Doch, das wird gut.

Zum nächsten Heft: Perry Rhodan 3001 – Von Göttern und Gönnern


Kommentar ( 1 )

  1. AntwortenRpunkt
    Heute habe ich – vom Krankenbett aus – die Lektüre von meinem ersten PR-Heftchen abgeschlossen. Ich fühlte mich durchweg gut unterhalten, aber so ein richtiger Pageturner war „meine“ erste Ausgabe nicht. Einerseits brauchte die Handlung ein bißchen Zeit in Schwung zu kommen, andererseits gab es für mich zu viel Technobabble und zu viele Beschreibungen visueller Eindrücke. Der Schreibstil der Autoren war allerdings angenehm, aber 40 Seiten hätten (anstatt 80) für die Handlung auch gereicht. Aber vielleicht ist das ja PR-Stil und ich Newbie habe keine Ahnung. Der Plot war für mich zumindest spannend genug, um auf der Perrypedia weiterzulesen. Ein regelmäßiger Heftkäufer werde ich – auch wegen Zeitmangels und den enormen Ausstoß des Schreibkollektives – nicht werden. Eine Frage noch an die Experten: Auf Seite 16 wird Zeemina Paath folgendermaßen beschrieben: „Sie hatte fünf Finger oder hatte sie zumindest gehabt, wie ihre Rechte Hand bewies. An der linken dagegen fehlten die äußeren zwei.“ Auf Seite 19 zeigt sich die Großnichte von Seven-of-Nine dann mit mindestens 4 Fingern plus Daumen an der linken Hand. Ein Fehler?

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