Terry Pratchett: das Werk

Veröffentlicht von Herr Kowski am

Aus gegebenem Anlass möchte ich ein paar Worte über das Schaffen des großartigen Terry Pratchett verlieren und wie es mich berührt oder gar inspiriert hat. Ich habe tatsächlich noch nicht alles davon verkonsumiert, was zügig zu ändern sein wird. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich seine Scheibenwelt-Romane – aber da gibt es ja noch einiges anderes bis hin zu Filmen und Spielen.

Kreatives Gedenken

In der letzten Ausgabe der eskapistischen Links hatte ich ja schon ein paar Nachrufe gesammelt. An dieser Stelle möchte ich ein paar mehr oder weniger kreative Tribute präsentieren. So gibt’s bei Brickset ein paar sehr schöne Scheibenwelt-Legomodelle – wir hoffen alle, dass das entsprechende Lego-Ideas-Projekt alsbald mal in die Läden kommt. Geeks are Sexy hat ein bisschen bei Tumblr gestöbert und ein paar nette Zeichnungen gefunden. io9 schließlich serviert uns diesen herrlichen Scheibenweltkuchen, den zu essen wirklich fast zu schade wäre.

Moralist und Weltenschöpfer

Auch wenn meine Begeisterung für sein Werk zuletzt minimal nachließ, wird Pratchett stets einer meiner absoluten Lieblingsautoren bleiben. Dabei waren es gar nicht mal die konkreten Geschichten, die mich hingerissen haben. Ich schätze ihn als unheimlich einfallsreichen Weltenschöpfer, in dessen Universen ich mich immer sehr gern verloren habe. Durch die Straßen von Ankh-Morpork zu wandeln, Lancres Wälder zu durchstreifen – oder die Lange Erde entlangzuhüpfen – war mir stets ein großer Genuss und wird es immer bleiben. Zudem war Pratchett ein großer Moralist der angenehmen Art. Genau wie seine Welten stattete er auch seinen (Haupt-) Charaktere oft mit großer Komplexität aus. Seine Heldinnen und Helden waren nie strahlend. Sie hatten Ecken und Kanten, nie einen erhobenen Zeigefinger aber stets das Herz am rechten Fleck. Interessant finde ich dabei, dass es ihm vor allem in den späteren Büchern immer seltener gelungen ist, nachvollziehbare und vielschichtige Bösewichter zu beschreiben. Ist mir zuletzt bei Dodger/Dunkle Halunken wieder aufgefallen.

Scheibenwelt

Sein Opus Magnum ist natürlich die Scheibenwelt und die unzähligen Geschichten, die er darin stattfinden lässt. Ich bin glaube ich mit „Einfach göttlich“ in diesen Kosmos eingetaucht – und habe ihn nie mehr so recht verlassen. Etliche Romane habe ich zwei, drei mal gelesen und dabei wie gesagt weniger die Geschichten als die Welt selbst genossen. (Die verschiedenen Handlungsstränge und in sich abgeschlossenen Geschichten erfordern übrigens nicht zwingend, die Scheibenwelt-Romane chronologisch nach Erscheinungsdatum zu lesen.) Ein bemerkenswerter Aspekt dabei ist die Entwicklung derselben. Sind die frühen Werke noch etwas roher und gehen eher in Richtung „klassische Fantasy“, wird die Welt schnell komplexer – und auch moderner. Ob das mit ein Grund ist, warum mich die späteren Bücher nicht mehr ganz so begeistert haben, will ich gar nicht mal behaupten. Wobei das auch nicht so ganz stimmt. „Steife Prise“ fand ich nach dem schwächeren „Club der unsichtbaren Gelehrten“ wieder recht gut. Dennoch habe ich mich bis jetzt geziert, den schon länger vorliegenden „Toller Dampf voraus“ anzugehen. Das wird nun zeitnah erledigt. Und ich freue mich auf den noch ausstehenden Tiffany-Weh-Roman. Laut Wikipedia war wohl noch ein Roman unter dem Titel „Scouting for Trolls“ in Planung. Keine Ahnung, wie der Stand da ist – oder ob da schon seine Tochter übernimmt …

Comics, Kalender und mehr

Zwei Romane sind in meinen Augen recht gut in Comicform umgesetzt worden und zwar „Wachen! Wachen!“ und „Mort„. Mir haben beide gut gefallen. Zudem ist einiges an Sekundärliteratur erschienen, vom Kochbuch bis zur kulturgeschichtlichen Abhandlung. Besonders hervorheben möchte ich die Scheibenwelt-Kalender bzw. Diaries, in denen jeweils eine besondere Institution oder Gruppierung Ankh-Morporks vorgestellt wird und die seit einiger Zeit auch als Sammelband zu haben sind. Diese Reihe wurde unlängst mit einem Band über die Igors fortgesetzt, was ich bei Gelegenheit mal ergänzen muss. Schließlich müssen noch die mittlerweile vier Bände über die Gelehrten der Scheibenwelt erwähnt werden, in denen Pratchett – eingebettet in eine Scheibenwelt-Rahmenhandlung – Wissenschaftler zu Wort kommen lässt. Hier fehlt mir noch Band vier. Skandal!

Andere Bücher

Aber Pratchett konnte nicht nur Scheibenwelt. Mein erstes Buch von ihm war „Ein gutes Omen„, das er gemeinsam mit Neil Gaiman geschrieben hat (und das jetzt wohl auch verfilmt wird). Aus seiner Feder stammen außerdem die „Teppichvölker“ und die Nomen-Trilogie – beides (voneinander unabhängige) Geschichten über winzige Wesen, die jeweils unentdeckt von den Menschen unter uns leben (einmal im Teppich und einmal in einem Kaufhaus) -, etliche Kurzgeschichten sowie die Romane „Eine Insel“ und „Dunkle Halunken“ und nicht zuletzt die „Lange Erde“ Serie mit Stephen Baxter. Soweit erst einmal zu dem, was ich gelesen bzw. angefangen habe. Die Qualität schwankt zwischen nett und großartig. Vor allem der erste Band des Parallelwelt-Epos „Lange Erde“ hat mir sehr gefallen und ich freue mich auf die Folgebände. Noch offen habe ich „Die dunkle Seite der Sonne„, „Strata“ und die Johnny-Maxwell-Bücher – allesamt etwas älter, liegen aber schon lesebereit auf dem Kindle. Ich werde berichten.

Bewegte Bilder

Der große und naheliegende Traum, die wunderbare Scheibenwelt auch mal auf der Leinwand – oder wenigstens dem Fernsehschirm – zu erleben, wurde ja bereits mehrfach erfüllt. Wenn auch vielleicht nicht ganz in dem bombastischen Rahmen, den man sich gewünscht hätte. Gesehen habe ich bislang nur „Schweinsgallop“ und die „Farbe der Magie„, die beide … nett sind. Um den neuesten „Ab die Post“ habe ich mich noch nicht bemüht. Aber ebenso wie die Zeichentrickfilme zu „MacBest“ und „Rollende Steine“ werde ich mir das alsbald mal zu Gemüte führen.

Spiele

Neben ein paar Computerspielen, die ich nicht kenne, und dem sehr schönen Brettspiel „Thud“, das ich stolz mein Eigen nenne, gibt es natürlich ein Pen&Paper-Rollenspiel zur Scheibenwelt. Und zwar von GURPS. Und es war mir vor einigen Jahren eine große Freude, insgesamt fünf Abenteuer damit zu entwerfen und zu leiten. Ich hatte zu dieser Zeit den Ehrgeiz, diese Kampagne auch nett aufbereitet darzustellen – bin damit aber nur bis zum zweiten Abenteuer gelangt, ehe mich die Lust verließ. Das hat aber immerhin zu mindestens einer Nachahmer-Gruppe geführt, deren Spielberichte immer noch vorliegen.

Und dies waren die Abenteuer, in die ich meine Spielgruppe verwickelte, bestehend aus dem Zwerg Blutrausch, Gefreiter der Stadtwache, dem Werwolf Kim, Schüler(in) der Assassinengilde, dem Zauber-Studenten Knesto und dem Barden Hamlet:

  1. Ein bisschen Schwund ist immer – Ein Schüler der Assassinengilde geht unter magischen Begleiterscheinungen verloren. Unsere Helden müssen ermitteln.
  2. Kanalisation Reloaded – In der jüngst entdeckten Kanalisation unter Ankh-Morpork treiben sich merkwürdige Gestalten herum. Unsere Helden müssen in den Untergrund.
  3. Besuch aus Übersee – Die Assassinengilde hat Gäste aus dem Achatenen Reich, die sich gern mal ein wenig die Stadt anschauen würden. Ein Auftrag wie geschaffen für unsere Helden.
  4. Der Kongress – Die Heldengilde hat endlich die Genehmigung erhalten, sich offiziell zu gründen. Da haben unsere wahren Helden besser mal ein Auge drauf. Und lernen dabei einen gewissen Hamlet kennen.
  5. Musen und Mumien – Während Hamlet seine musischen Begabungen entdeckt, treibt offenbar ein untotes Wesen sein … nun … Unwesen in der Stadt. Ankh-Morporks Anderslebenden-Gemeinde möchte die Sache unauffällig geklärt haben. Von unseren Helden.

Ein Blick in meine Unterlagen von damals hat durchaus den Antrieb geweckt, auch die letzten drei Abenteuer mal aufzubereiten. Mal sehen, was sich da machen lässt … Aber ob dieser Antrieb sogar so weit reicht, wie Blutrausch – äh @myrkvid – es kürzlich eingefordert hat …?

Laut meinen Unterlagen war das nächste Abenteuer tatsächlich schon geplant. Es trug den Titel „Das Buch“ und sollte in den Wirren der Leshp-Krise (während „Fliegende Fetzen“) spielen …


Kommentare ( 2 )

  1. AntwortenRumo
    Glaubt ihr, da kommt noch was ? Sprich, dass ein anderer Autor, z.B. seine Tochter die Scheibenwelt Romane weiterführt ? Oder ist da jetzt wohl für immer Ende ?
    • AntwortenAutorRoland
      Nein, da kommt nichts mehr. Seine Tochter hat kürzlich erklärt, dass sie keine weiteren Romane beisteuern wird und dass die Scheibenwelt auch an keinen anderen Autor weitergereicht wird.